Sponsoren-Anzeigen
Malermeister Herholt

thumb_TueddenMit Ralf Bruelheide hat eine Jöllenbecker Handball-Legende am vergangenen Wochenende zum letzten Mal in einem Oberliga-Spiel für die Jürmker auf dem Platz gestanden. Der wurfgewaltige HalbLinke zählte in den letzten Jahren immer zu den Oberliga-Top-Torjägern, wie diese Zahlen beweisen: 124/39 Tore (Saison 09/10), 220/73 Tore (08/09), 186/67 Tore (07/08), 246/72 (06/07), 179/47 Tore (Verbandsliga 05/06). NEU: Ergänzung WB-Artikel

 

 

Tschüss Tüdden!

Kaum einer hat in den vergangenen Jahren den TuS 97 so geprägt wie Ralf Bruelheide – jetzt geht er

Gregor Winkler und Ivo Kraft

Bielefeld. Er hat so ziemlich alles erreicht. Ralf „Tüdden" Bruelheide hat mit 17 Jahren in der Verbandsliga beim TuS Jöllenbeck angefangen, zahlreiche Aufstiege geschafft, in der Ersten Liga zwei Jahre für Lemgo und sieben Jahre für Nettelstedt gespielt, war Oberliga-Torschützenkönig und – Achtung – zog in die Ruhmeshalle der NW ein. Grund genug, dem Routinier für 25 Jahre Handball zu huldigen. Die Redaktion hat sich dazu entschieden, Bruelheides Karriere Revue passieren zu lassen, indem sie zahlreiche Weggefährten befragte.

´ Das fällt mir als Zweites zu Tüdden ein: Die spezielle Formulierung hat einen Grund. Als erstes assoziiert mit dem Stichwort Bruelheide jeder sowieso nur eins: Muskeln und Fitness. In eine ähnliche Richtung denkt Helmut Bußmeyer: „Der hat ja noch länger durchgehalten als ich. Da bin ich eigentlich ein bisschen sauer." Oberlübbes Coach Dieter Löffelmann lobt Bruelheides sportliche Fairness. „Er war nie theatralisch, obwohl er immer viel abgekriegt hat." In dieselbe Kerbe schlägt Nils Grothaus. „Fair geht bei ihm vor, zumindest beim Fußball", sagt Grothaus grinsend und lässt durchblicken, dass „Tüdden" es nicht in eine Fußball-Ruhmeshalle der Neue Westfälische gebracht hätte.

Trainer Walter Schubert stellt heraus, dass „er keine Starallüren hat. Er hat sich immer ins Mannschaftsgefüge eingepasst. Er ist keiner, der quer treibt." TSG-Keeper Pascal Welge nennt „seinen unglaublichen Armzug. Egal, wie viele Gegner an seinem Arm hingen." Martin Räber (erst Kollege in Lemgo, dann sein Trainer) erinnert sich an „Tüddens schlechten Orientierungssinn. Er hat ein Jahr gebraucht, um den Weg nach Lemgo zu lernen." Zu einem Auswärtsspiel nach Nettelstedt sei er lediglich bis Stedefreund gekommen, ehe sein Auto streikte und er zu Fuß nach Hause ging. Gut, dass Bruelheide oft von Heiko Ruwe mitgenommen wurde. Sie spielten mehrere Jahre in Nettelstedt zusammen. „Das waren immer ganz besondere Fahrten, weil er ein lockerer Vogel ist."

´ Das haben wir von Tüdden gelernt: Martin Räber betont gleich mal, „dass die Frage anders herum gestellt sein müsste". Räber lobt „Tüdden" aber als „absoluten Führungsspieler." Auch Trainer-Ikone Dieter Löffelmann hat selber wenig von Bruelheide gelernt. „Aber ich habe meinen Jugendlichen oft gesagt, dass sie sich anschauen sollen, wie er Verantwortung übernimmt und trotz Manndeckung das entscheidende Tor wirft." Wie so viele hätte Heiko Ruwe gerne „seinen Unterhandwurf gelernt. Aber den kann ich bis heute nicht." Heiko Nossek, Trainer der Jöllenbecker Reserve, erinnert sich: „Er war mein erster E-Jugend-Trainer. Er hat immer die Arme ausgebreitet und Tobi Meyer und ich haben jeder auf einer Seite Klimmzüge gemacht." Walter Schubert sagt, dass Bruelheide gezeigt habe, „dass man auch im Alter noch viele Tore werfen kann".

´ Das wünschen wir Tüdden: Hier gehen die Vorschläge alle in dieselbe Richtung. „Gesunde Knochen, damit er weiter Sport machen kann", sagt Schubert. Heiko Ruwe weiß, „dass Ralf Bewegung auch braucht". Wer weiß also, ob es wirklich schon der endgültige Abschied war. Heiko Nossek wünscht Bruelheide jedenfalls , „dass er die Beschäftigung in Handball findet, die zu ihm passt". So ähnlich meint es Räber: „Ich hoffe, dass es handballerisch mit ihm weiter geht. Er ist ein ganz angenehmer Zeitgenosse. Tüdden, Fritz Driftmann und ich auf Mallorca – das war schon was."

Die letzten Worte gebühren dem Altmeister persönlich, der nach eigener Aussage nicht der Typ ist, der Emotionen zeigt: „Ich bin froh, dass ich einigermaßen verletzungsfrei durch diese Saison gekommen bin. Wenn es die Zeit erlaubt, werde ich schon noch ab und zu in der Jöllenbecker Halle auftauchen." Tschüss Tüdden!

Ich gehe mit einem guten Gefühl

Bielefeld (WB). Eine echte Jöllenbecker Handball-Legende hat die Schuhe an den Nagel gehängt. Mehr als 25 Jahre lang hat Ralf Bruelheide in Bielefeld und Umgebung für Furore gesorgt. Künftig will er sich mehr der Familie widmen, auch eine Trainertätigkeit schwebt »Tüdden« vor. Im Gespräch mit Sportredakteur Arndt Wienböker schaut der 42-jährige »Handball-Rentner« Ralf Bruelheide zurück und auch nach vorn.

Arndt Wienböker

Ralf Bruelheide, seit 1975, also seit 35 Jahren sind Sie als Mitglied in Jöllenbeck eingetragen. Am vergangenen Wochenende haben Sie ihr letztes Pflichtspiel im Trikot der Jürmker bestritten. Welche Gedanken gehen einem da durch den Kopf?Ralf Bruelheide: Während des Spiels habe ich versucht, mich auf das Sportliche zu konzentrieren. Erst im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass ein großer Teil meines Alltags demnächst anders verlaufen wird. Ein ungewohntes Gefühl. Ich hätte mir den Abschied auch nicht so emotional vorgestellt. Es ist schön, dass das Publikum meine Leistungen honoriert hat.

Der langjährige Vorsitzende Dr. Ulf-Peter Schroeder hat Ihnen bei der Verabschiedung ein paar Worte mit auf den Weg geben. Kohleschmeißer oder der beste Handballer, den Jöllenbeck je hatte: Was gefällt Ihnen besser? Bruelheide: Der beste Handballer natürlich. Der Begriff Kohleschmeißer stammt von meinem Vater, der früher selbst Feldhandballer war und eine Kohlehandlung in Jöllenbeck hatte. Von meinem Vater habe ich auch den Spitznamen Tüdden geerbt, wobei bis heute niemand weiß, was das eigentlich zu bedeuten hat.

War es denn der richtige Zeitpunkt, um die Handballschuhe an den Nagel zu hängen?Bruelheide: Ich denke schon. Ich habe noch einmal eine ordentliche Saison gespielt und komme einigermaßen gesund da raus. Ich gehe also mit einem guten Gefühl. Außerdem will ich nicht mit 50 und zwei künstlichen Kniegelenken noch auf der Platte stehen.

Was sind die schönsten Erinnerungen an die aktive Zeit in Jöllenbeck?Bruelheide: Ich habe mich in der harmonischen und familiären Atmosphäre in Jöllenbeck eigentlich immer wohl gefühlt. Der Oberliga-Aufstieg war ganz wichtig für den Verein und eine tolle Sache. Schön waren auch die Spiele gegen die TSG in der Seidensticker-Halle. Das ist von der Atmosphäre her das, was in Bielefeld im Handball möglich sein sollte.

Was wünschen Sie denn dem Handball in Jöllenbeck und in Bielefeld?Bruelheide: Für den TuS 97 ist die Oberliga momentan die angemessene Liga, um sich weiter zu entwickeln. Für den Standort Bielefeld wünsche ich mir Zweitligahandball oder höher in der Seidensticker-Halle. Vielleicht kann der Handball ja von den Problemen profitieren, die der Fußball in Bielefeld gerade hat.

Zurück zur Gegenwart: Wie fällt Ihr Fazit zu der abgelaufenen, der letzten Saison von »Tüdden« aus?Bruelheide: Wir haben den Super-Gau verhindern können, aber unterm Strich haben wir als Mannschaft nicht annähernd das gebracht, was eigentlich an Potenzial vorhanden ist. Es waren viele kleine Faktoren, die sich summiert haben. Für mich persönlich war die Hinrunde körperlich grenzwertig, weil ich sowohl akute Knie- als auch Achillessehnenbeschwerden hatte. Nach einer Spritzenkur ist dann Besserung eingetreten und ich konnte der Mannschaft zum Glück noch ein paar Mal helfen.

Mit 17 haben Sie als A-Jugendlicher in Jöllenbecks Verbandsligamannschaft gespielt. Ein Jahr später folgte der Wechsel nach Lemgo, wo Sie ebenso wie später beim TuS Nettelstedt in der Bundesliga gespielt haben. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?Bruelheide: Sehr viel. Mein Wechsel damals nach Lemgo war ein Jahr zu früh. Die Mannschaft kämpfte um den Klassenerhalt und ich habe gar nicht gespielt. Selbst ein Volker Zerbe kam vielleicht mal fünf Minuten zum Einsatz. Die sieben Jahre in Nettelstedt waren dann eine super Zeit. Das Highlight war der Bundesligaaufstieg 1994. Ich hatte eine super Saison mit 170 Toren und wie ich gehört habe, soll ich bis heute mit ungefähr 1000 Toren noch immer der erfolgreichste Torschütze in Nettelstedt sein. Außerdem bin ich nie abgestiegen. Weniger schön war allerdings, dass ich damals nach einem Außenbandriss keinen neuen Vertrag mehr in Nettelstedt bekommen habe.

Sie wären in der kommenden Serie gerne als Perspektivtrainer beim TuS 97 aktiv geworden. Das hat sich vorerst zerschlagen und über diese Zeitung haben Sie eine Bewerbung nach außen für andere Vereine abgegeben. Wie oft hat das Telefon seitdem geklingelt? Gibt es konkrete Angebote oder bereits einen neuen Verein?Bruelheide: Das Interesse ist schon sehr groß - ein gutes Gefühl. Bislang habe ich aber alles abgesagt. Es kann auch gut sein, dass ich ein Jahr nur Familie mache, schließlich sind die Wochenenden seit 25 Jahren immer verplant gewesen. Ich könnte mir auch ein Praktikum bei Volker Mudrow in Lemgo vorstellen - oder den Erwerb eines Trainerscheins.

Was macht »Tüdden« denn, wenn in der kommenden Saison die Heimspiele des TuS 97 ausgetragen werden?Bruelheide: Dann werde ich sicherlich das eine oder andere Mal auf der Tribüne sitzen. Vorher mache ich meine ganz eigene Ersatz-Vorbereitung. Laufen und Krafttraining werden weiter dabei sein, schließlich will ich ja nicht verfetten.

Im Sommer wird es auch noch ein Abschiedsspiel geben. Zlatko Feric und Volker Zerbe sollen bereits zugesagt haben. Auf wen dürfen sich die Fans in Jöllenbeck noch freuen?Bruelheide: Ich werde sicherlich Volker Mudrow fragen. Ghenadij Kahlepo und »Binjo« Tluczynski wären auch toll. Vor allem Tluczynski, der damals in Nettelstedt mein Lieblingsspieler war. Der hat in dem Alter, in dem ich jetzt bin, noch Bundesliga gespielt. Wahnsinn. Was das heißt, weiß ich heute erst richtig einzuschätzen.

 

Ihr Söhne spielen bislang noch kein Handball. Was ist da schief gelaufen?Bruelheide: Ich weiß es auch nicht. Louis (10 ) hat nur Fußball im Kopf, da dreht sich alles um Robben und Ribery. Phil (7) ist dagegen ein echter Tierfreund, mit Nacktschnecken und so. Na ja - Hauptsache, die Jungs haben ihren Spaß.

Zur Person
Name: Ralf Bruelheide
Spitzname: »Tüdden«
Geburtstag: 6. Oktober 1967
Größe: 1.90 Meter
Position: Rückraum links
Stationen: TuS Jöllenbeck, TBV Lemgo, TuS Nettelstedt, SC Bielefeld, HC 93 Bad Salzuflen, HSG Augustdorf/Hövelhof, TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck.
Sportliche Erfolge: Oberliga-Torschützenkönig in der Saison 2006/07 (246 Treffer) und zweimal Zweiter in den Spielzeiten 2007/08 (186 Tore) und 2008/09 (220 Tore); Aufstieg mit dem TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck in die Oberliga (2006); Aufstieg mit dem TuS Nettelstedt in die 1. Bundesliga (1994); Aufstieg mit der HSG Augustdorf/Hövelhof in die 2. Bundesliga (2002).